Mittwoch, 30. Juli 2014

Fahrgastunfreundlichen "Y-Verkehr" der Stadtbahn ohne Taktausdünnung abschaffen Antrag der Gruppe Linke und Piraten vom 24. Juli 2014

Vorlage - 1812 (III) Ant

 Beschlussvorschlag:

Der „Y-Verkehr“ auf den Stadtbahnlinien 2 und 8 wird abgeschafft, ohne dass hierdurch eine Taktausdünnung entsteht.


Sachverhalt:

Der „Y-Verkehr“ auf den Stadtbahnlinien 2 (Alte Heide - Rethen) und 8 (Hauptbahnhof – Messe/Nord) generiert große Verwirrung und Ärger bei den Fahrgästen, weil viele Fahrgäste am falschen Ziel ankommen. Der fahrgastunfreundliche „Y-Verkehr“ hat Folgen.
Bemerkungen wie „Ich hasse die Üstra!“ sind durchaus üblich. Von vermeidbaren Falschfahrten besonders betroffen sind Gelegenheitsfahrer, Blinde und Sehbehinderte. Kritik am „Y-Verkehr“ kommt entsprechend auch vom Regionalverein des Landesblinden- und -sehbehindertenverbandes (BVN) und vor allem von der Hannoverschen Verkehrs-AG der Körperbehindertenverbände. Der Vergleich mit der Zugteilung beim ICE hinkt, weil im ICE viel Personal mitfährt, welches die Fahrgäste rechtzeitig und individuell über die Zugteilung informiert und ggf. in den richtigen Zugteil begleitet.


En Detail:

Ausgedünnter Fahrtakt

Ab dem Beginn des „Y-Verkehrs“ besteht ein ausgedünnter Fahrtakt und ein geringeres Angebot an Fahrten zwischen Hauptbahnhof und Bothmerstraße als in der Zeit davor. Dadurch vermindert sich die Attraktivität des Angebotes in den dicht besiedelten Stadtteilen Südstadt, Waldhausen und Döhren.

Unregelmäßige Anwendung

Der „Y-Verkehr“, der normalerweise von Montag bis Samstag ab etwa 21:00 Uhr bis 01:00 Uhr und an Sonntagen ganztags stattfindet, entfällt bei verschiedenen Gegebenheiten:

1.              So wird bei Frost der Zug nicht auseinandergekuppelt, sondern fährt ungeteilt weiter nach Rethen, obwohl er ab Alte Heide als "durchgestrichene 2 Rethen+Messe/N" beschildert und als "Linie 2, erster Wagen nach Rethen, zweiter Wagen nach Messe/Nord" angesagt wird. Hingegen: Um in Richtung Messe/Nord zu gelangen, müssen die Fahrgäste an der Haltestelle Bothmerstraße umsteigen, obwohl bereits zwischen Fiedelerstraße und Peiner Straße die Zugteilung angekündigt wird, was die/der FahrerIn nach der Ansage dementiert.

2.              Darüber hinaus entfällt der „Y-Verkehr“ bei bestimmten Veranstaltungen auf dem Messegelände und die Linie 2 fährt auch dann - für die Fahrgäste unersichtlich - ungeteilt weiter nach Rethen. Der Fahrgast muss also, wenn er nach Mittelfeld will, genau wissen, welche Veranstaltungen gerade auf dem Messegelände stattfinden.
3.              Auch die Linie 8 fährt bei ausfallendem „Y-Verkehr“ ungeteilt vom Hauptbahnhof bis Messe/Nord. Problematisch ist hier, dass die Abfahrtzeiten im Widerspruch zum Aushangfahrplan stehen.

Y-Verkehr ist nicht barrierefrei
Für Sehbehinderte und Blinde ist es problematisch, gezielt den vorderen oder hinteren Wagen aufzusuchen. Das Aufmerksamkeitsfeld führt im Normalfall zum ersten Wagen.
Nicht so beim „Y-Verkehr“: In Fahrtrichtung Rethen / Messe/Nord führt an den Stationen Alte Heide, Büttnerstraße, Kröpcke und Peiner Straße das Aufmerksamkeitsfeld zum zweiten bzw. letzten Wagen. Dies ist eine erhebliche Beeinträchtigung für Blinde und Sehbehinderte. Anders als beim ICE gibt es hier kein ausreichendes Personal, das für die Betroffenen zur Hilfe bereitsteht.
1.              Die rote durchgestrichene Kennzeichnung der Linien an den Informationstafeln ist für
Sehbehinderte und Farbblinde schlecht von der nicht durchgestrichenen Linie 2 zu differenzieren.



2.              Das Klinikum Agnes Karll in Laatzen befindet sich entlang der betroffenen Strecke der Linie 2 und ist während des „Y-Verkehrs“ für Sehbehinderte und Blinde nur unter äußerst komplizierten Bedingungen oder gegebenenfalls überhaupt nicht mit der Stadtbahn erreichbar.

Unklare Kennzeichnungen und Aushänge

1.              Der „Y-Verkehr“ ist nicht im Liniennetzplan eingepflegt. So verschlechtert sich der Informationsfluss für die Fahrgäste.

2.              Auch in den Tunnelstationen ist der „Y-Verkehr“ nicht an den Informationstafeln und blauen Klebefolien ausgeschildert. Die Aushänge in den Tunnelstationen, die den „Y-Verkehr“ beschreiben, sind zu unauffällig und zu kompliziert gestaltet. Die Fahrgäste müssen sich eine ganze Seite mit kleingedruckter Schrift durchlesen, um diesen „Y-Verkehr“ zu verstehen und um herauszufinden, wie sie z. B. sonntags nach Mittelfeld oder Grasdorf kommen. Die Aushänge sind fehlerhaft bzw. veraltet.

3.              Bei der Durchführung des „Y-Verkehrs“ ist auf Fahrzeugen des Typs TW6000 an den Zugzielanzeigen nicht ersichtlich, welcher Zugteil nach Rethen und welcher Zugteil nach Messe/Nord verkehrt. Besonders bei einem Ausfall der dynamischen Fahrgastinformation könnte dies zu Irritationen bei Fahrgästen führen.

Anschlüsse entfallen

Wenn der „Y-Verkehr“ stattfindet, entfallen die sogenannten Verzahnungen (zeitgleiche Ankunft und Abfahrt an gegenüberliegenden Bahnsteigen) mit der Linie 6 am Aegidientorplatz und mit der Linie 9 am Hauptbahnhof, was im Extremfall eine Fahrzeitverlängerung um 15 Minuten zur Folge hat. Davon betroffen sind die vier Stadtteile Isernhagen-Süd, Bothfeld, Bult und Bemerode.

Als Gesamtbetrachtung verschlechtern sich durch den „Y-Verkehr“ die Anschlüsse, Taktungen und die Fahrgastinformationen, u. a. in den Stadtteilen Vahrenheide, Vahrenwald, Hannover-Mitte, Südstadt, Waldhausen, Döhren, Mittelfeld, Wülfel, Alt-Laatzen, Grasdorf, Steinfeld, Rethen, Bothfeld, Buchholz, List, Vinnhorst, Hainholz, Nordstadt, Bult, Kirchrode, Stöcken, Leinhausen, Herrenhausen, Misburg und Bemerode.

Somit sind faktisch über 20 Stadtteile, die einen Stadtbahnanschluss haben, sowie unzählige Ortschaften, die von Anschlussbussen bedient werden, vom „Y-Verkehr“ nachteilig betroffen oder haben durch den „Y-Verkehr“ schlechtere Umsteigebeziehungen.

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